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Heimat / Vorarlberger Monatshefte 1931

Bibliographic data

fullscreen: Heimat / Vorarlberger Monatshefte 1931

Structure type:
Periodical
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Heimat
Subtitle:
Vorarlberger Monatshefte
Place of publication:
Innsbruck
Publisher:
Heimat-Verl.
Scope:
Online-Ressource

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz408015381
Structure type:
Issue
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Heimat / Vorarlberger Monatshefte 1931
Year of publication:
1931-01-01

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz408015381_1931

Section

Structure type:
Section
Title:
Heft 6 und 7

Article

Structure type:
Article
Author:
Helbok, Adolf
Title:
Zur Geschichte des „Agrarkommunismus" unserer alten Bauerndörfer
People involved:
Helbok, Adolf

Contents

Table of contents

  • Heimat
  • Heimat / Vorarlberger Monatshefte 1931
  • Title page
  • Contents
  • Heft 1
  • Heft 2
  • Heft 3
  • Heft 4
  • Heft 5
  • Heft 6 und 7
  • Title page
  • Contents
  • Kloster Viktorsberg
  • Waldschlößle
  • Dr. Albert Ritter
  • St. Arbogast
  • Nibelungenjahr
  • Altmontfort
  • Der Geist der Gotik im künstlerischen Schaffen des Vorderlandes
  • Zwei Vorderländer Maler
  • Jakob Jon
  • Franz Fidelis Jubele - ein Vorarlberger Abenteurer
  • Zur Geschichte des „Agrarkommunismus" unserer alten Bauerndörfer
  • Die Handwerkszunft in Götzis
  • Über die Entwicklung der Stickerei-Jndustrie in Götzis und im Vorderlande
  • Rückkehr
  • Heft 8
  • Heft 9
  • Heft 10
  • Heft 11
  • Heft 12

Full text

187 
Zur 
Geschichte des „Agrarkornmunismus" unserer alten Bauerndörfer Von A. Helbok 
Die 
Entwicklung des Individualismus in unserer Wirtschaft und der ab- 
soluten 
Staatshoheit 
hat mit einem Zustand in unseren Bauerndörfern ge- 
Krochen, 
der 
Jahrhunderte alt war und in die graue Vorzeit der Germanen 
zurückzuführen 
schien, 
mit 
dem Flurzwang. 
Der 
Flurzroang 
bestand 
in einer Regelung des Anbaues und der Ernte, 
die 
nötig 
geworden 
mar 
einerseits infolge der Gemenglage der Teile, aus 
denen 
sich 
der 
Gesamtbesitz 
jedes 
Bauern zusammensetzte, und anderseits in- 
folge 
des 
Mangels 
an 
Wirtschaftsroegen, der es dem Einzelnen meist unmög- 
lich 
machte, 
zu 
einem 
seiner 
Acker 
zu 
gelangen, ohne den Nachbaracker zu über- 
queren.' 
So 
traten 
die 
Bauern 
vor 
dem 
Frühjahrsanbau und der Ernte zu- 
sammen 
und 
legten 
den 
Vorgang 
fest. 
Oder wenn dieser seit langem fest- 
stand, 
so 
regelten 
sie 
nur 
aufgetauchte 
Einzelfragen. An diese Abmachungen, 
Bestimmungen 
und 
Bräuche 
rvar 
jeder 
Einzelne 
gebunden, er stand unter 
dem 
Zwange 
eines 
gemeinsamen 
Arbeitsvorganges. 
Erst 
als 
der 
Hoheitsstaat 
den 
Begriff 
der 
Enteignung aus öffentlichem 
Interesse 
schuf, 
in 
den 
Formen 
des 
jus 
retractus 
ist 
er 
in den Alpen schon 
um 
die 
Mitte 
des 
17. 
Jh. 
nachzuweisen, 
rvar 
es 
möglich, 
den 
einzelnen Bauern 
jeweils 
soviel 
Grund 
abzunehmen, 
als 
nötig 
war, 
um 
Wirtschaftswege anzu- 
legen. 
Anderseits 
drängten 
die 
Ideen 
des 
18. 
Jh., 
die 
im 
selbständigen In- 
dividuum, 
das 
aus 
eigenem 
Interesse 
für 
seinen 
Vorteil 
arbeitet, 
die 
größte 
Möglichkeit 
des 
wirtschaftlichen 
Aufstieges 
sahen, 
auf 
Beseitigung 
des 
Flur- 
Zwanges 
hin. 
Es 
ist 
noch 
nicht 
in 
allem 
Einzelnen 
untersucht, 
wie 
der 
Flur- 
zwang 
fiel. 
Tatsache 
aber 
ist, 
daß 
wir 
auch 
von 
einer 
Entwicklung 
des 
bäuer- 
lichen 
Individualismus 
sprechen 
dürfen, 
der 
gerade 
in 
jener 
Zeit 
des 
auf- 
steigenden 
Liberalismus 
aus 
den 
allgemeinen 
Zeitideen 
genährt 
wurde, 
nach- 
dem 
er 
vorher 
seine 
eigene 
Vorentwicklung 
durchgemacht. 
Diese 
aber 
liegt 
in 
den 
Erfahrungen, 
welche 
man 
mit 
dem 
Flurzwange 
gemacht, 
der 
vor 
allem 
von 
den 
Tüchtigen 
und 
Strebsamen 
als 
Druck 
empfunden 
werden 
mußte. 
Vorgänge 
wie 
die 
Vereinödung 
im 
Allgäu 
charakterisieren 
diesen 
aufsteigen- 
den 
bäuerlichen 
Individualismus. 
Dort 
sind, 
wie 
uns 
Dom1) 
nachgewiesen 
hat, 
aus 
großen 
Gewanndörfern 
mit 
Streulage 
der 
Besitzteile 
im 
Wege 
der 
Güterzusammenlegung 
arrondierte 
Gehöfte 
geworden, 
während 
bei 
der 
Kirche, 
wo 
einst 
das 
Dorf 
stand, 
nur 
noch 
etwa 
das 
Gasthaus, 
die 
Schule 
und 
das 
eine 
oder 
andere 
Haus 
blieb. 
So 
sprengte 
der 
bäuerliche 
Individualismus 
die 
alte 
Form 
geschlossener 
Siedlung 
(Haufendorf) 
und 
gemeinsamen 
Arbeits- 
Vorganges 
(Flurzwang 
in 
der 
Gewannflur). 
Man 
hat 
diesen 
Flurzwang 
unserer 
Bauerndörfer 
des 
18. 
Jh. 
als 
Rest 
jenes 
germanischen 
Agrarkommunismus 
angesehen, 
den 
man 
aus 
den 
Be- 
*) 
Die 
Vereinödung 
in 
Oberschwaben, 
1904. 1904.
	        

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