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Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 2015-06

Bibliographic data

fullscreen: Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 2015-06

Structure type:
Periodical
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Kultur
Subtitle:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Place of publication:
Dornbirn
Publisher:
Verein KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048
Structure type:
Issue
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 2015-06
Year of publication:
2015-06-01

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048_2015_06

Article

Structure type:
Article
Author:
Grüneis, Anita
Title:
Mit sehenden Augen ein blinder Passagier sein
People involved:
Grüneis, Anita

Contents

Table of contents

  • Kultur
  • Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 2015-06
  • Title page
  • Contents
  • Entwurzelung und Brüche
  • "Wir lassen jedes Quäntchen unserer Energie in das einfließen, was wir tun" James Wilton
  • Das Unmögliche möglich gemacht
  • Blautöne
  • Das Ausgelöschte sichtbar machen
  • The Wind in my Heart. Das Dach über mir
  • Belebte Substanz. Umgebaute Bauernhäuser im Bregenzerwald
  • "Ich liebe die Klangfülle, die weiten und vielschichtigen musikalischen Räume"
  • Das Programm schwappt über
  • Auf der Serviette notiert (2)
  • Was gibt's zu sehen?
  • "Kunst und Jazz dürfen auch Massen ansprechen"
  • "Kein kulturelles Ornament, sondern ein substanzieller Beitrag zur Lebensqualität"
  • Spricker
  • Initialzündung für eine junge Barockmusik-Szene im Land?
  • Von einem, der auszog, das süße Leben zu lernen
  • Open-air "Vorstadtspiele" - Dario Fos "Bezahlt wird nicht (mehr)!" als Erinnerungskomödie
  • Im Spiel mit den Geschlechterrollen
  • 3312 Ein Mythos unter der Lupe
  • Die Relevanz von Geschichte für die Gegenwart
  • Mit sehenden Augen ein blinder Passagier sein
  • "Es gab keine Grenzen, was Story, Charaktere oder Animation betrifft"
  • Wenn ornamentale Cluster die Strategie des Bildes bestimmen
  • "kumm dringg ma no an schlugg"
  • Kunst, die sich aus Fügungen entwickelt
  • Striche hören
  • Von Heldinnen mit zerkauten Fingernägeln und Firmenchefs mit Teddybären
  • Wenn Schlägel Ballett tanzen
  • CD-Tipps
  • Herz aus Blut
  • Ein kunterbuntes und vielfältiges Kinderprogramm!
  • Kirchenkritik: Atheismus
  • Der Rubel, der nicht mehr rollt
  • Filmclubs
  • Ausstellungen
  • Vorletzte Seiten

Full text

Das Künsterduo Trickster-p mit „Sights“ in Schaan 
Mit sehenden 
Augen ein blinder 
Passagier sein 
AnitaGrüneis 
Blindsein heißt nicht, nichts sehen. Auch Blinde sehen - auf 
ihre Art. Das TAK Theater Liechtenstein hat das Tessiner 
Künstlerduo Trickster-p eingeladen, vom 17. Juni bis 5. Juli 
ihre „Sights“ zu präsentieren. Sights ist ein installativer 
Spaziergang durch Schaan und dort vom TAK Theater Liech 
tenstein bis hinauf zur Erwachsenenbildung Stein-Egerta. 
Die Besucher erhalten dazu einen alten Audioguide, eine 
Landkarte und ein Set mit neun Wertmünzen. Mittels der 
Das Tessiner Künstlerduo Trickster-p präsentieren „Sights“, 
einen installativenSpaziergangdurch Schaan 
Karte werden sie zu neun Stationen geführt. Dort können 
sie jeweils, dank ihrer Wertmünzen, Aufnahmen abhören 
mit den Stimmen von Blinden, die ihnen erklären, was „Se 
hen“ für sie bedeutet. Der Rundgang dauert ungefähr zwei 
Stunden, er kann auch in zwei Etappen erfolgen. 
Was nehmen wir wirklich wahr? 
Dabei könnte es durchaus sein, dass sich die Besucher wie 
blinde Passagiere fühlen. Denn auf unsere Sinne ist nicht 
immer Verlass, vor allem nicht auf das, was wir sehen. Wir 
bewegen uns im Alltag routiniert durch vertraute Orte auf 
vertrauten Wegen mit ihren vertrauten Ansichten. Doch 
nehmen wir diese Orte, Wege, Plätze, Aussichten und An 
sichten auch wirklich so wahr, wie sie sind? Hat nicht gera 
de die Macht der Gewohnheit unsere Sinne abstumpfen las 
sen? Cristina Galbiati und Ilija Luginbühl von Trickster-p 
beschäftigen sich im Projekt „Sights“ intensiv mit den Fra 
gen der Wahrnehmung. 
Das Sehen und die Sicht 
In einem Interview meinte Cristina Galbiati dazu: „Wir 
denken, Sehen sei untrennbar mit der Sicht verbunden, doch 
durch dieses Projekt entdecken wir neue Aspekte zu diesem 
Thema. Ich habe zum Beispiel festgestellt, dass ich nur ein 
Viertel dessen sah beziehungsweise wahrnahm, was ich 
wahrzunehmen in der Lage wäre.“ Besonders berührt habe 
sie die Tatsache, dass die physischen Grenzen, die mit dem 
Sehen fest und unveränderbar sind, sich für Menschen, die 
nicht sehen können, ständig verändern. Auch der Aspekt 
des Selbstbildnisses hat für Cristina Galbiati eine neue 
Komponente erhalten. „Ich habe begonnen, mich zu fragen, 
ob das Bild, das ich von mir selbst habe, vom Spiegel oder 
von Fotos stammt. Wer das Augenlicht verloren hat, dessen 
Beziehung zu sich selbst ist sehr stark von alten Fotos ge 
prägt. Es kommen also die Vorstellung und das Gedächtnis 
ins Spiel.“ 
Persönliche Texte 
Das Tessiner Künstler-Duo Cristina Galbiati und Ilija Lu 
ginbühl hat unter dem Projektnamen Trickster-p bereits 
mehrere Projekte realisiert. Mit der Neuinterpretation von 
Märchen waren die beiden so erfolgreich, dass sie von 
Australien über die USA bis nach Russland eingeladen wur 
den. Mit „Sights“ erfolgte nun eine Neuorientierung. „Wir 
möchten uns nicht auf ein Genre oder eine Art, unseren kre 
ativen Prozess zu sehen, beschränken; wir versuchen stän 
dig, uns zu verändern“, so Cristina Galbiati. Daher haben die 
beiden Künstler für „Sights“ gemeinsam mit Blinden zu 
nächst Themen erarbeitet und dann die konzeptionelle und 
inhaltliche Dramaturgie dazu erarbeitet. „Wenn wir ein The 
ma hatten, erstellten wir ausgehend von der Aussage der 
blinden Person einen Text. Die Blinden haben den Text dann 
selbst aufgenommen. Das sind also keine Schauspieler, son 
dern 1:1 Eindrücke, mit allen realen Nebengeräuschen, was 
die Texte sehr persönlich macht.“ • 
64 
Kultur Juni 2015
	        

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