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Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06

Bibliographic data

fullscreen: Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06

Structure type:
Periodical
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Kultur
Subtitle:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Place of publication:
Dornbirn
Publisher:
Verein KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048
Structure type:
Issue
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06
Year of publication:
1987-06-01

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048_1987_06

Article

Structure type:
Article
Author:
Pichler, Meinrad
Title:
Neue Dornbirn-Publikationen
People involved:
Pichler, Meinrad

Contents

Table of contents

  • Kultur
  • Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06
  • Title page
  • Contents
  • Fremdenverkehr - befremdlich verkehrt
  • Allgemeine Anmerkungen zur Veränderung der Volks-Kultur durch den Massentourismus
  • Ing. mit Mag. Sieghard Paier
  • Landesgalerie: Keiner weiss was, das dafür aber ganz genau
  • Blintimus Blinsky läßt aufheulen
  • "Waldheim ist ein Gottesbeweis...."
  • Nachruf auf den Cineclub Zoom oder die Macht der Multinationalen Verleiher und die Ohnmacht der Provinzkinos
  • Neue Dornbirn-Publikationen
  • Kein Denkmal für Sisyphus errichten
  • Platentips: Tödliche Waffen!
  • Reaktionen
  • Interview mit Sarah Kirsch
  • Filmnotizen
  • Der literarische Beitrag: Florentine Stock "Berliner Zeiten"
  • Magazin

Full text

26 
KULTUR 
Neue 
Kurz hintereinander hat die Stadt 
Dornbirn zwei Publikationen vorge 
stellt, die einerseits dokumentie 
ren, daß auch dam offiziellen 
Dornbirn Selbstanalyse und -dar- 
stellung plötzlich bedeutsam er 
scheinen, und die andererseits da 
zu angetan sein könnten, das 
"Stadtbild" der Einwohner selbst 
in verschiedener Hinsicht zu ver 
tiefen. 
Die Rede ist hier vom repräsenta 
tiven Bildband "Dornbirn" und vom 
ersten Heft der "Dornbimer 
Schriften". Diese Startnummer ei 
nes zukünftigen Periodikums ent 
hält drei thematisch recht ausein 
anderliegende Aufsätze, wodurch 
zumindest angedeutet wird, auf 
welch breitem Ansatz eine moderne 
und kritische Heimatkunde basieren 
müßte. 
Im ersten Beitrag beschäftigt sich 
F. J. Huber mit der Nutzung der 
Wasserkraft durch die Firma F.M. 
Hämmerle in den Pionierjahren 
(1837-1877). Daraus wurde zugleich 
eine kleine Geschichte des Fabrik- 
komplexes Steinebach, der seine 
Situierung den eben dort vorhande 
nen Wasserkräften verdankt. Der 
gut recherchierte Artikel beschäf 
tigt sich allerdings in der Haupt 
sache mit bau- und technikge 
schichtlichen Gegebenheiten und 
läßt die zahlreichen anderen As 
pekte und Konflikte, die mit der 
industriellen Nutzung des Wassers 
verbunden waren, nur erahnen. So 
etwa die dramatische Ausbotung der 
alten Wassergewerbe wie Mühlen und 
Sägen durch die zukunftsträchtige 
und kapitalkräftige Industrie. 
Im zweiten Artikel befaßt sich 
Alois Niederstätter mit den "Dom- 
bimer Landsbräuchen des 16. und 
17. Jahrhunderts", Vereinbarungen 
zur Regelung des dörflichen 
Rechts- und Wirtschaftslebens und 
der lokalen Verwaltung. Dabei 
setzt der Autor den aufschlußrei 
chen Weg einer landesgeschichtli 
chen Grundlagenforschung fort, den 
er schon in früheren Veröffentli 
chungen eingeschlagen hat. Bei 
solchem genauen Hinschauen erweist 
sich manche liebgewonnene Ansicht 
von einer urdemokratischen dörfli 
chen Gesellschaft als historische 
Legende. 
Vfolfgang Flor behandelt schließ 
lich im dritten Aufsatz ("Obsthai 
ne - wertvolle Lebensräume in 
Dornbirn") die Veränderung und De 
zimierung des Dornbimer Baunobe 
standes als Teilaspekt einer rapi 
den Veränderung unserer Unweit 
insgesamt. Der gerade für Dornbirn 
und sein Unland typische Bestand 
an Hochstamm-Obstbäumen wurde seit 
den Jahre 1950 auf ein Drittel re 
duziert. In Zahlen bedeutet das, 
daß innerhalb der letzten gut 30 
Jahre alleine in Dornbirn 5 Qua 
dratkilometer Obstbaumfläche li 
quidiert wurden. Flor erklärt die 
Gründe dafür und zeigt auch die 
Notwendigkeit des Erhaltes des 
noch verbleibenden Bestandes auf. 
(Stadt)Straßen-, Häusle- und ande 
ren Bauern ist die Lektüre dieses 
Artikels nachdrücklich zu empfeh 
len. 
Wie sehr sich Dornbirn - zumindest 
im äußeren Erscheinungsbild - seit 
den 20er Jahren verändert hat, do 
kumentieren auch gleich die ersten 
Seiten des von Reinhold Luger kon 
zipierten Bildbandes "Dornbirn". 
Und an dieser Konzeption ist man 
ches recht bemerkenswert.Da sticht 
einmal ins Auge wie innerhalb ei 
nes Grundrasters mit Bildformaten 
und -anordnung der insgesamt 460 
Fotos so variiert wird, daß durch 
gehend Abwechslung und optische 
Gewichtung gewährleistet sind. 
Ein sehr menschenbezogenes Prinzip 
dominiert die Bildauswahl: Lebens 
räume, -möglichkeiten, -formen und 
-qualität stehen im Vordergrund, 
nicht offizielle Repräsentation. 
Eine Reihe öffentlicher Gebäude 
scheint überhaupt nicht auf, sie 
gehen dem Betrachter angesichts 
der ausgewählten Bilder in keiner 
Weise ab. Geboten werden dagegen 
kontrastreiche Ansichten von Plät 
zen und Straßen, von Berg und 
Ried, Bilder aus Industrie und 
Landwirtschaft, Freizeit und Ar 
beit. Und all das keineswegs 
Schönfärberisch und selbstzufrie 
den, dem zum Teil kritischen Blick 
entgehen auch die Problembereiche 
und die Tristesse einzelner Stadt 
gebiete nicht (z.B. S. 59). . 
Die kurzen Begleittexte (von Franz 
Albrich, Klaus Fessler, Karl Idl, 
Vfolfgang Rummele und Josef Wohlge 
nannt) unterstützen weitgehend 
diese Tendenz, sind unaufdringlich 
erklärend, ohne bloße Bildbe 
schreibung zu sein. Leider bleiben 
einige unter dem optischen Stan 
dard des Buches. Insgesamt aber 
kann sich dieses Dornbirn-Buch se 
hen und ansehen lassen. 
Meinrad Pichler
	        

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