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Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06

Bibliographic data

fullscreen: Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06

Structure type:
Periodical
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Kultur
Subtitle:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Place of publication:
Dornbirn
Publisher:
Verein KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048
Structure type:
Issue
Collection:
Bodensee Bibliotheken
Title:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06
Year of publication:
1987-06-01

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048_1987_06

Article

Structure type:
Article
Author:
Bracharz, Kurt
Title:
"Waldheim ist ein Gottesbeweis...."
People involved:
Bracharz, Kurt

Contents

Table of contents

  • Kultur
  • Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06
  • Title page
  • Contents
  • Fremdenverkehr - befremdlich verkehrt
  • Allgemeine Anmerkungen zur Veränderung der Volks-Kultur durch den Massentourismus
  • Ing. mit Mag. Sieghard Paier
  • Landesgalerie: Keiner weiss was, das dafür aber ganz genau
  • Blintimus Blinsky läßt aufheulen
  • "Waldheim ist ein Gottesbeweis...."
  • Nachruf auf den Cineclub Zoom oder die Macht der Multinationalen Verleiher und die Ohnmacht der Provinzkinos
  • Neue Dornbirn-Publikationen
  • Kein Denkmal für Sisyphus errichten
  • Platentips: Tödliche Waffen!
  • Reaktionen
  • Interview mit Sarah Kirsch
  • Filmnotizen
  • Der literarische Beitrag: Florentine Stock "Berliner Zeiten"
  • Magazin

Full text

22 
KULTUR 
ich dann gemalt hab, war eigent 
lich ein Klischee, das Klischee 
'Der höhnische Arzt' - so heißt 
das Bild - mit den blutverschnier- 
ten Händen, mit dem Tschick, und 
hinten wird der Embryo schnell 
herausgezogen. Ich hab einfach das 
Klischee dramatisiert, überstei 
gert dargestellt." 
Als Heinwein dann vor den Herren 
und Damen von der Erzdiözese Wien 
das Bild feierlich enthüllte, gab 
es zuerst befremdetes Schweigen, 
dann eine dürre Erklärung, man 
müsse das erst nochmal unter sich 
besprechen. Das 24-Bogen-Plakat 
war gestorben, es wurden aber 2- 
Bogen-Plakate gedruckt, immerhin 
ohne Schrift, wie ausgemacht. "Die 
haben mich dann aber gelegt, da 
haben sie so Aufmärsche gemacht 
von alten Frauen und Ministranten, 
und da haben sie so Parolen getra 
gen und dazwischen die Plakate. 
Das ist natürlich unfein." 
Mittlerweile sind zwei Damen von 
einem kostenlosen Vorarlberger 
Kleinformat eingetroffen. Helnwein 
erweist sich als klassischer Wie 
ner: "Das ist ja nett, das ist ja 
charmant", sülzt er. 
Themawechsel: Warum erinnern mich 
Heinweins neue Bilder so sehr an 
Schwarzkogler-Fotos? Die Antwort 
überrascht: Helnwein will seine 
Aktionen 1965/66, also zeitlich 
vor Schwarzkogler gemacht und kei 
nerlei Beziehung zum Wiener Aktio 
nismus gehabt haben. Er habe mal 
in einer Wochenzeitung was von der 
"Uniferkelei" gelesen, aber das 
sei auch schon alles gewesen. Et 
hätte damals Micky Maus gelesen 
und die Rolling Stones gehört, das 
war seine Welt und sonst gar 
nichts. 
Die Galeristin Krinzinger habe ihn 
eines Tages einen Katalog gegeben 
mit der hämischen Bemerkung: 
"Schauen Sie, da ist Ihr großes 
Vorbild", er habe ihn aufgeschla- 
gen und sei erschrocken über die 
Ähnlichkeit von Fotos Schwarzkog 
lerscher Aktionen mit seinen eige 
nen Bildern. "Vielleicht liegt es 
am Klima der Stadt. Solche Paral 
lelentwicklungen gibt es eben." 
Das Gespräch zerfasert, Helnwein 
erzählt, daß er auf Prince steht, 
wie ihm John Zorn gefällt, daß er 
sich seit zwei Jahren mit moderner 
Kunst beschäftige und dabei die 
Minimal Art entdeckt habe, kamt 
wieder auf Kriegsverbrecherpro 
zesse zu sprechen, behauptet, er 
habe nie die Absicht gehabt, sein 
Publikum zu schocken, und frägt 
schließlich die Damen vom Klein 
format, ob sie ihn nicht auch was 
fragen wollen. Sie wollen. "Wie 
kamt man auf so eine Art von Ma 
lerei?" Das weiß Helnwein auch 
nicht so recht, erzählt aber von 
frühen ästhetischen Eindrücken 
durch "Sigurd und Bodo", einem 
alten Comic-Strip. Zweite Frage: 
"Wollen Sie eigentlich nicht ein 
mal etwas Realistisches malen?" 
Helnwein, nach einer kleinen Pause 
der Verblüffung: "Ich bin ver 
schrien als Realist, bekänpft, 
verachtet." Das ist das erste Mal 
an diesem Abend, daß ich Helnwein 
nicht sofort eine alerte Antwort 
bereit haben sehe. Die richtigen 
Fragen muß man eben zu stellen 
wissen! 
I 
Kurt Bracharz
	        

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