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Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06

Bibliografische Daten

fullscreen: Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Kultur
Untertitel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Publikationsort:
Dornbirn
Verlag:
Verein KULTUR - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048
Strukturtyp:
Ausgabe
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06
Veröffentlichungsjahr:
1987-06-01

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz310869048_1987_06

Artikel

Strukturtyp:
Artikel
Autor:
Bracharz, Kurt
Titel:
"Waldheim ist ein Gottesbeweis...."
Beteiligte Personen:
Bracharz, Kurt

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Kultur
  • Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft 1987-06
  • Titelseite
  • Inhaltsverzeichnis
  • Fremdenverkehr - befremdlich verkehrt
  • Allgemeine Anmerkungen zur Veränderung der Volks-Kultur durch den Massentourismus
  • Ing. mit Mag. Sieghard Paier
  • Landesgalerie: Keiner weiss was, das dafür aber ganz genau
  • Blintimus Blinsky läßt aufheulen
  • "Waldheim ist ein Gottesbeweis...."
  • Nachruf auf den Cineclub Zoom oder die Macht der Multinationalen Verleiher und die Ohnmacht der Provinzkinos
  • Neue Dornbirn-Publikationen
  • Kein Denkmal für Sisyphus errichten
  • Platentips: Tödliche Waffen!
  • Reaktionen
  • Interview mit Sarah Kirsch
  • Filmnotizen
  • Der literarische Beitrag: Florentine Stock "Berliner Zeiten"
  • Magazin

Volltext

20 
KULTUR 
r.tßJbs'«'-? 
Auf dem Weg zum Pressetermin mit 
Gottfried Heinwein stelle ich mir 
vor, daß ich irgendwo neben den 
Kulturheroen der heimischen Presse 
sitzen und vielleicht auch zwei, 
drei Fragen anbringen werde. 
In den Winsauerschen Ausstellungs 
räumen ist aber außer den Leuten, 
die immer noch mit dem Hängen be 
schäftigt sind und dem Meister 
selbst keiner da. Die Bilder zei 
gen Heinwein mit bandagiertem und 
meist eingefärbtem Kopf vor dem 
Hintergrund von Vietnam-Fotos und 
anderen Darstellungen von Gewalt, 
dazu Nazi-Emblematik wie eine SS- 
Uniform oder auch eine Hitlerdar 
stellung. Der Künstler, bebrillt, 
hager, mit einem Stirnband, als 
bewerbe er sich um eine Stati 
stenrolle in einem Piratenfilm, 
ist sofort bereit, mit mir zu re 
den. Ich baue mein Tonband auf und 
frage erstmal nach Disney, weil 
ich weiß, daß wir uns da beide 
auskennen. 
Walt Disney, legt Heinwein los, 
ist neben Picasso die größte 
Künstlerpersönlichkeit unseres 
Jahrhunderts (später präzisiert 
er: Disney sei wichtiger als Pi 
casso). Niemand habe radikalere 
Kunst gemacht als der Amerikaner, 
niemand unsere Zeit mehr geprägt; 
Disneyworld sei das größte Gesamt 
kunstwerk unserer Zeit, unabhängig 
davon, ob es einem gefällt oder 
nicht, darauf komme es nicht an. 
"Wenn ich sehe , was in der E-Kunst 
an Installationen oder Objekten 
oder Ich-weiß-nnicht-was gemacht 
wurde, das ist alles ärmlich. Auch 
die größten Sachen sind dagegen 
nichts. Es ist alles dürftig, di 
lettantisch, klein." 
... ' ' . 
Ich gebe zu bedenken, daß Disney 
wohl mehr ein Unternehmer als ein 
Künstler gewesen sei und "seine" 
Figuren ihr ,, Leben Zeichnern wie 
Barks oder Iwerks verdanken, und 
werde belehrt, daß Walt ein Re- 
naissancekünstler wie Leonardo ge 
wesen sei und daß auch ein Rubens 
nur letzte Hand an die im Auftrag 
gefertigten Werke gelegt habe. 
Über den politischen Rechtsaußen 
und Unternehmer Disney: "Der war 
hart, das weiß ich schon, aber um 
das zu realisieren, was er in ei 
nem kurzen Leben realisiert hat, 
da muß man hart sein, da muß man 
tough sein, der war kompromißlos, 
der war zu sich selber am kompro 
mißlosesten." Sein Disney-Bild 
will sich Heinwein nicht zerstören 
lassen: als ich auf Disneys Rolle 
als freiwilliger Denunziant in den 
McCarthy-Prozessen verweise, will 
Heinwein davon noch nie gehört und 
so etwas erst einmal bewiesen ha 
ben. 
Wir wechseln das Thema, sprechen 
über Wien. Für Heinwein ist Wien 
"eine isolierte Welt für sich, ei 
ne Kleinstadt", die dortige Kunst 
szene voller Intriganten (ein paar 
Spitzen, die er später beispiels 
weise gegen Frohner ins Gespräch 
einstreut, lassen den Schluß zu, 
daß Heinwein in Wien nicht nur Ma 
len gelernt hat). Das kreative Po 
tential Österreichs sei zwar in 
absoluten Zahlen höher als das in 
ganz Deutschland, aber hier werde 
die Potenz hauptsächlich in Intri 
gen und Wadlbeißereien investiert. 
"Das langweilt mich nur und hat 
mich nie interessiert, ich war im 
mer Einzelgänger.' 
In der Presseaussendung war etwas 
von Zensur erwähnt, ich frage 
Heinwein, ob er in Österreich 
diesbezüglich Probleme gehabt 
hätte. Nein, eigentlich nicht, 
einmal seien in einer Ausstellung 
Bilder mit Stickern beklebt wor 
den, auf denen in Fraktur "Entar 
tete Kunst" stand. 
. “ * 11 ‘ W* • V 
- ‘ 7 J V- 
"Österreich ist angefüllt mit Na 
zis bis zum Schaft - also ich weiß 
das, ich sag das nicht, weil es 
der Handke sagt, oder weil es 
paßt, sondern es ist wahr. Ich ha 
be das bemerkt bei den ersten Bil 
dern: ich bin hinter jeder Ecke 
auf Neonazis gestoßen oder auf 
Altnazis und Österreich ist ir 
gendwo ein schleimiges Land und es 
tut mir leid, daß ich verallgemei 
nern muß, denn es gibt auch hier 
von West bis Ost leiwande Typen." 
Sein erstes Hitlerbild auf der 
Akademie will Heinwein gemalt ha 
ben, um die schweigende Mehrheit 
..äus der|Jteserve zu lpckeift| er höhe 
etwas um sich gespürt, das nie 
ausgesprochen wurde und dachte es 
damit zu provozieren: "Ich hab 
dann, um Wien eins aufzulegen, 
diesen Hitler gemalt, so in Göt- 
terdämmerungsstimmung (....). Ich 
hab dieses Ding gemacht, so aus 
einen - ich weiß nicht was, heraus 
- einfach so - ohne zu wissen, was 
dann sein wird - und was war dann: 
daß die aus allen Löchern gequol 
len sind und auf eirmal waren die 
alle da: Neonazis, und die haben 
alle erzählt, jeder hat erzählt - 
voller Freud und rote Wangen ge 
kriegt - ein Taxifahrer hat mir 
sofort voller Freud aus dem Hand 
schuhfach seinen silbernen Toten 
kopf gezeigt: das waren wir, wie 
ein Mann sind wir auf gestanden und 
lauter.. .Wahnsinn." 
Ich frage ihn, was er denn anderes 
ertwartet habe, wenn er Nazierable- 
me und Hitlerbilder male, aber der 
Maler, der sich später im Gespräch 
auch einmal treuherzig als poli-
	        

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